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Meldungen und Berichte

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Verabschiedung des Kollegleiters Alfons Quast

Presseinformation – Juni 2015

Mit einem großen Schulfest verabschiedete vergangene Woche das Sieger­land-Kolleg OStD Alfons Quast nach 25 Jahren als Kolleg­leiter in den Ruhe­stand. Musik­beiträge der Kolleg­band und der ehemaligen Studierenden Alexandra Klein sowie zahl­reiche Über­raschungs­aktionen gestalteten den Festakt ebenso unter­haltsam wie munter, so dass Wehmut erst gar nicht aufkommen konnte.

Nach seinem Studium der Mathe­matik, Wirtschafts­wissen­schaften und Soziologie an der RWTH Aachen kam der in Geis­weid geborene Alfons Quast 1980 als Studien­rat zur Anstellung ans Sieger­land-Kolleg. 1985 wurde er zum Ober­studien­rat, 1990 zum Studien­direktor und 1991, nachdem er bereits ein Jahr lang die Leitung des Kollegs wahr­genommen hatte, zum Ober­studien­direktor ernannt. Wie die Leitende Regierungs­schul­direktorin Gabriele Berg­hoff in ihrer einleitenden Rede ausführte, dokumentiere diese Lauf­bahn eindringlich Herrn Quasts Ziel­strebig­keit und Gerad­linig­keit, die, gepaart mit der Weite seines Horizonts und der Fähig­keit zu flexiblem und kritischen Denken, die Basis für sein erfolg­reichen Wirken als Kolleg­leiter bilde. Gemäß Kants Leitsatz »Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen« habe Herr Quast junge Erwachsene immer wieder angespornt, ihren eigenen Weg konsequent zu verfolgen. So aufgestellt könne das Sieger­land-Kolleg der Zukunft mit Zuversicht entgegen­sehen, betonte Frau Berghoff zum Abschluss ihrer Rede.

Der Landrat des Kreises, Andreas Müller, verwies in seinem Gruß­wort auf die Bedeutung des Sieger­land-Kollegs für Stadt und Region. Die Absolventen seien aufgrund ihrer erworbenen Qualifikationen seit nunmehr 52 Jahren gern gesehene Bewerber bei den heimischen Arbeit­gebern. Unter der Leitung von Herrn Quast sei das Ziel der Erwachsenen­bildung realisiert worden, Bildungs­potenziale auszuschöpfen und junge Menschen dabei zu begleiten, sich weiter­zuentwickeln und im weitesten Sinn zu wachsen. Dies nütze nicht nur dem Wohl des Einzelnen, sondern auch der gesamten Gesell­schaft, erklärte Müller und sprach dem Schul­leiter dafür seinen Dank aus.

In allen diesen Jahren sei das Sieger­land-Kolleg auch im wört­lichen Sinn gewachsen, wie man an dem Bau zweier neuer Stock­werke mit insgesamt fünf Klassen sowie an der Einrichtung eines Selbst­lern­zentrums und der Computer­räume erkennen könne. Auch die technische Ausstattung der Schule sei auf den neuesten Stand gebracht worden, so dass moderner Unter­richts­führung nichts im Wege stehe.

Herrn Quasts Qualitäten als Schul­leiter seien stark durch seine wissen­schaft­liche Ausbildung geprägt, die es ihm erlaube, Problem­situationen sowohl rational-analytisch als auch menschlich und aufs Allgemein­wohl bedacht anzugehen. Die Wert­schätzung, die Alfons Quast inner­halb und außer­halb des Kollegs erfahre, beruhe daher nicht nur auf seiner objektiv erfass­baren Leistung, sondern auch auf seiner Persönlich­keit, so Andreas Müller.

Der stell­vertretende Bürger­meister, Herr Jens Kamieth, hob Herrn Quasts Leistung als Pädagoge auch über das Kolleg hinaus hervor. So habe Alfons Quast viele Jahre an der Rudolf-Steiner-Schule bei der Durch­führung des Abiturs mitgewirkt und sei Mitglied der Kommission zur Prüfung der Abitur­vorschläge der Abend­gymnasien und Kollegs gewesen. Schließ­lich griff Jens Kamieth auch das Motto des Kollegs »Trau dich zu wachsen« auf, das als Ansporn zu Mut und Engagement Herrn Quasts Wirken an seiner Schule spiegele.

In diesem Reigen der Laudatoren waren es nun Studierende und Angehörige des Kollegs, die Anerkennung, Verbunden­heit und Dank mit Geschenken, einer persön­lichen Ansprache und einer Darbietung des Kollegen­chors zum Ausdruck brach­ten. Im Namen des Kollegiums und der Mitarbeiter­Innen dankte OStR Markus Häußer­mann dem scheidenden Kolleg­leiter für die geleistete Arbeit – und dafür, dass Herr Quast eine Atmo­sphäre geschaffen habe, die von gegen­seitiger Achtung, Offen­heit und Humor geprägt sei. Der von Herrn Quast gewählte Leit­spruch des Kollegs »Aus Chancen werden Wege« unter­streiche, dass Bildung nicht als Ziel, sondern als stetiger Prozess der Weiter­entwicklung zu verstehen sei. Dabei habe Alfons Quast besonderes Augen­merk darauf gelegt, dass dieser Prozess am Sieger­land-Kolleg nicht nur das Nützlich-Pragmatische, sondern auch das Musisch-Poetische einschließe.

Schließlich ergriff Alfons Quast selbst das Wort. Zunächst sprach er die Veränderungen in der Schul­land­schaft an, die auch die Erwachsenen­bildung betreffen. In jüngster Zeit seien Weichen für die Zusammen­führung der drei Bildungs­gänge Abend­real­schule, Abend­gymnasium und Sieger­land-Kolleg gestellt worden. Dabei hoffe er immer noch auf die von ihm selbst präferierte Entstehung eines Zentrums für Erwachsenen­bildung.

Herr Quast führte allen Zuhörern das für ihn wichtigste Prinzip der Erwachsenen­pädagogik vor Augen: Lernende durch­liefen verschiedenste positive wie negative Entwicklungs­situationen, die eine angemessene Begleitung erforderten. In diesem Kontext hob Herr Quast die von dem ehemaligen Dezernenten der Bezirks­regierung Arns­berg beschriebene »Pädagogik der Ermutigung« hervor, da diese die konstruktive Auseinander­setzung des Lernenden mit sich und der Welt besonders fördere.

Abschließend sprach er den Lehrern, den Mitarbeitern des Kollegs, der Hoch­schule, die seit 1993 die Gebäude­verwaltung innehat, dem BAföG-Amt des Kreises und dem Bau- und Liegen­schafts­amt Nord­rhein-West­falen seinen Dank für die jahr­zehnte­lange gute Zusammen­arbeit und Unter­stützung aus.

Zur Verabschiedung des Kollegleiters Alfons Quast

Rede von Markus Häußermann – Juni 2015

»›Du Taugenichts! da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde und läßt mich alle Arbeit allein tun. Ich kann dich hier nicht länger füttern. Der Früh­ling ist vor der Tür, geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb dir selber dein Brot.‹

Mit diesen Worten, sehr geehrter Herr Quast, verehrte Frau Quast, verehrte Gäste, teure Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, liebe Studierende, mit diesen Worten also wirft der Vater, seines Zeichens Müller, zu Beginn eines der berühm­testen Werke der deutschen Literatur seinen faulenzenden Sohn hoch­kant aus dem Haus hinaus. Dem jungen Mann ist das gar nicht unrecht, er nimmt seine Geige von der Wand, spaziert unbekümmert davon und singt erst einmal alle vier Strophen des Wander­lieds ›Wem Gott will rechte Gunst erweisen‹.

Auch Sie, Herr Quast, verlassen dieser Tage Ihr angestammtes Haus. Anders als der Sprössling des Müllers werden Sie freilich nicht auf die Straße gesetzt – wir alle würden Sie liebend gern im Haus behalten! Sie machen sich aus eigenem Antrieb auf den Weg.

Es gibt jedoch auffällige Parallelen zwischen Ihnen und dem Tauge­nichts. Wie diesem kommt Ihnen das Lebe­wohl durch­aus zupass, kennen wir doch Ihre Neigung, dem Fern­weh nach­zugeben und munter durch die Lande zu reisen. Musikalisch unter­malt wird Ihr Abschied eben­falls. Sie könnten dabei sogar mitwirken. Zwar gestaltete sich Ihre Begegnung mit Musik­instrumenten, wie ich erfahren konnte, eher flüchtig, die Freude am Singen indes teilen Sie mit dem fröh­lich davon­ziehenden Burschen. Und wie der alte Müller bleiben wir anderen zurück in der Tret­mühle und haben alle Arbeit allein zu erledigen.

Herr Quast etwa ein Tauge­nichts? Das wäre ja unerhört! Meine Damen und Herren, seien Sie ohne Sorge. Es handelt sich hier um eine Lob­rede, eine Laudatio, eine Eloge. Zu deren Merk­malen gehört, so hat es die Französische Akademie der Wissen­schaften im 17. Jahr­hundert bestimmt, neben dem feierlichen Rahmen vor allem, dass über die zu rühmende Person nur ehrende Worte und höchstes Lob geäußert wird. Dass aller­dings niemand auch nur annähernd etwas Gegen­teiliges über unseren scheidenden Kolleg­leiter zu berichten wusste, hat das Verfertigen dieser Rede enorm erleichtert.

Die Verbindung zum Taugenichts geknüpft hat niemand anderer als Sie selbst, Herr Quast, als Sie mir näm­lich vor geraumer Zeit ganz unverbind­lich Joseph von Eichen­dorffs ›Aus dem Leben eines Tauge­nichts‹ zur Behandlung im Unter­richt ans Herz legten – offenbar, weil Sie Ihnen besonders ans Herz gewachsen ist. Was aber ist das Besondere dieser Novelle?

Die Handlung im Detail wieder­zugeben will ich mir an dieser Stelle erparen. Es gibt aller­hand Maskeraden und Miss­verständnisse, über­stürzte Aufbrüche und ein über­raschendes Ende. Im Wesent­lichen aber wird gespeist und getrunken, gesungen und getanzt, gewandert und Boot gefahren, es wird im Gras gelegen und auf Bäume geklettert, geschlafen und geträumt, sich die Land­schaft besehen und der Nacht­himmel betrachtet – wie es sich für eine Erzählung romantischer Provenienz eben gehört.

Und unser Taugenichts? Der stolpert von Wien nach Rom und wieder zurück, gärtnert hier ein wenig, lässt sich dort von einem Maler portraitieren und schwärmt vornehm­lich für eine geheimnis­volle schöne Dame. Er sät nicht und erntet letzt­lich doch ein Schlösschen und sein geliebtes Mädchen dazu. Das heißt: Er sät schon, aber kein Getreide, um dieses zu Mehl und dann zu seinem Brot verarbeiten zu können. Er baut auch keine nahr­haften Kartoffeln an, die reißt er im Gegen­teil erst einmal heraus, um Platz zu schaffen – für die Aussaat bunter Blumen näm­lich, mit denen er seine Herzens­dame erfreuen und für sich gewinnen will.

Sie sehen, meine Damen und Herren, bei Eichen­dorffs im Jahr 1826 erstmals veröffent­lichter Novelle handelt es sich um eine Geschichte, die der Poesie den Vor­rang gibt vor dem Pragma­tismus und die insofern recht gut zur anti­bürger­lichen Hippie-Bewegung um 1970 passt. Sie zählte damals in der Tat zu den Kult­büchern der Flower-Power-Generation. Und wenn ich weiter das Geburts­jahr unseres so respektabel erscheinenden Kolleg­leiters bedenke, sehe ich mich gezwungen zu fragen: Herr Ober­studien­direktor Alfons Quast, waren Sie ein Hippie?

Wie es auch sei – Wenn sich ein Ober­studien­direktor, Mathe­matiker noch dazu, für den Deutsch­unter­richt an seinem Kolleg die Behandlung der Eichen­dorff­schen Novelle wünscht, kann dies nicht allein daran liegen, dass im ›Tauge­nichts‹ das Rechnen wahr­haftig eine gewisse Rolle spielt. Der Wunsch offenbart mehr:

Drittens, dass Sie, sehr geehrter Herr Quast, die Natur recht gern haben und nicht abgeneigt sind, sich darin zu bewegen. Zweitens, dass Sie auch ein in der Literatur bewanderter Mann sind. Und erstens, dass Sie eine ganz bestimmte Idee davon haben, was Bildung heißt.

Das Wort ›Bildung‹ stellt bekannt­lich ein Substantiv dar und bezeichnet verein­facht gesagt etwas, das ist – ein Ding, einen Inhalt usw. In diesem Sinne ist Bildung ein Ziel, und der Weg hat allein den Nutzen, uns diesem Ziel näher zu bringen. Das ist Pragma­tismus.

Das Suffix ›–ung‹ zeigt nun, dass das Substantiv ›Bildung‹ aus dem Verb ›bilden‹ entstanden ist, also, wieder vereinfacht, etwas bezeichnet, das getan wird oder geschieht. So verstanden ist Bildung aber nicht das Ziel, sondern der Weg selbst. Das ist Poesie.

Welche der beiden Ideen von Bildung Sie, sehr geehrter Herr Quast, als die wesent­liche ansehen, zeigt schon der von Ihnen für das Sieger­land-Kolleg gewählte Leit­spruch: Er lautet eben nicht ›aus Chancen werden Ziele‹. Er lautet ›aus Chancen werden Wege‹.

Selbstverständlich braucht es ein Ziel, wenn man sich nicht ausweglos verirren will. Das Ziel, das unsere Studierenden erreichen wollen, ist das Abitur bzw. das Fach­abitur. Das ist praktisch für den weiteren beruf­lichen Lebens­weg. Die Poesie liegt darin, dass man neue, andere Wege in sich und in der Welt beschreitet. Der gute Ruf, den unser Kolleg bei jungen Menschen im Sieger­land und weit darüber hinaus genießt, ist maßgeb­lich darauf zurück­zuführen.

Bildung heißt für Sie, sehr geehrter Herr Quast, ›auf dem Weg sein‹. Sich bewegen. Wachen Auges durch die Welt gehen. Auch einmal traum­verloren dahin­taumeln. Seinen Hirn­kasten durch­lüften. Etwas Neues wagen. Denn wie lässt Eichen­dorff seinen Tauge­nichts einmal auf der Reise staunend sagen: ›Was der Mensch doch nicht alles erfährt, wenn er sich einmal hinterm Ofen hervor­macht!‹

Sie haben gemäß Ihrer Leitidee immer wieder Initiativen angestoßen, umgesetzt und unter­stützt, die unsere Studierenden ermutigen sollten, sich hervor­zutrauen, Neues zu versuchen und ihre Eigen­verantwort­lich­keit zu stärken, sei es etwa auf Studien­fahrten, in Projekt­kursen, im Selbst­lern­zentrum oder bei Vorhaben während der Projekt­woche. Die eindrucks­vollen Portrait­fotos hinter mir an der Wand sind ein besonders schönes Ergebnis eines Ihrer eigenen Projekte. Ich möchte alle Gäste ermuntern, sich später mehr darüber berichten zu lassen.

Meine Damen und Herren, ein Kolleg ist kein Lust­garten, der bekannt­lich in erster Linie der Erholung und dem Vergnügen dient. Um im Eichen­dorff­schen Bild zu bleiben: Sie haben, sehr geehrter Herr Quast, in Ihrer Verant­wortung als Kolleg­leiter darauf geachtet, dass in Ihrem Beet nicht allein bunte Blumen gedeihen, sondern waren auf ein ausgewogenes Verhältnis bedacht und haben auch nütz­liche Kartoffeln angepflanzt. Für einen Kolleg­leiter ist das Nütz­liche aber meist das zwingend Notwendige.

Man stellt sich einen Ober­studien­direktor zuweilen ja so vor wie – ich zitiere wieder aus dem ›Tauge­nichts‹ – ›einen Amt­mann hinter einem ungeheuren Tinten­fasse und Stößen von Papier und Büchern und einer ansehn­lichen Perücke, wie die Eule [in] ihrem Nest‹, ausgestattet viel­leicht ›mit eine[m] prächtigen roten Schlaf­rock mit gelben Punkten, grüne[n] Pantoffeln, eine[r] Schlaf­mütze und einige[n] Pfeifen mit langen Röhren‹.

Der Alltag eines Kollegleiters ist weniger amüsant. Er muss die pädagogischen Konzepte der Landes­regierung unter Ein­haltung einer Viel­zahl an Vorgaben und Richt­linien der Bezirks­regierung umsetzen: Zentral­abitur und die neuen Kern­lehr­pläne. Er muss sich um die Schul­entwicklung kümmern: Personal­planung, Unter­richts­angebot, bauliche Maßnahmen, technische Ausstattung usw. Er muss die Schul­organisation im Griff haben: Verwaltung, Budgets, Statistik, Stunden­verteilung. Er muss Konferenzen vorbereiten und leiten. Er muss selbst unter­richten. Er muss für die Probleme und Sorgen aller ein offenes Ohr haben. Er muss noch vieles andere mehr.

Meine Damen und Herren, Sie sehen, Herr Quast hat sich weitest­gehend allein um die Kartoffeln gekümmert, sie zuweilen auch für andere aus dem Feuer holen müssen, und uns vorrangig die Blumen über­lassen. Sehr geehrter Herr Quast, zur Ehren­rettung des Kollegiums kann ich Ihnen nur zu bedenken geben, dass auch die Pflege eines Blumen­gartens Arbeit macht und Einsatz wie Hingabe erfordert.

Nur in einer Hinsicht haben Sie versagt. Wie einigen der Anwesenden viel­leicht bekannt, verfüge ich über ein Vorleben, das mich inner­halb wie außer­halb des schulischen Bereichs noch andere Personen in leitender Stellung kennen­lernen ließ. Ich kann also vergleichen. Und ich muss leider fest­stellen: Sehr geehrter Herr Quast, Sie sind kein Schweine­hund. Sie sind nicht in der Lage, große Reden zu schwingen und ihnen keine Taten folgen zu lassen. Sie haben nicht das Geschick, sich bei jeder Gelegen­heit in den Vorder­grund zu spielen, und sind unfähig, dann ausschließ­lich Ihre eigenen Verdienste hervor­zuheben. Sie besitzen keinerlei Talent, Ihre Mitarbeiter zu bevormunden, abzukanzeln, auszunutzen oder gegen­einander auszuspielen.

Kein Taugenichts. Kein Hippie. Kein Schweine­hund. Mit welchen Worten ließe sich nun der Kern Ihrer Persön­lich­keit fassen, sehr geehrter Herr Quast? Auf den Punkt gebracht hat es eine junge Dame. Ich muss vorweg anmerken: Ich bezweifle, dass diese gleicher­maßen liebens­würdige wie kompetente Kollegin aus Erfahrung spricht. Sie hat sicher­lich nur scharf beobachtet. Ich aber weiß, dass die folgende Aussage der Wahr­heit entspricht: ›Herr Quast‹, so sagte die Kollegin, ›das ist ein Mensch, der stets darauf achtet, dass niemand sein Gesicht verliert – selbst und gerade dann, wenn er oder sie einen Fehler gemacht hat.‹

Im angelsächsischen Raum gibt es für einen solchen Menschen ein Wort, das sich schwer­lich ins Deutsche über­tragen lässt. Sie kennen es aber alle. John Henry Newman, Kardinal der römisch-katholischen Kirche in England und bedeuten­der Rhetoriker des 19. Jahr­hunderts, hat dazu geschrieben: ›It is almost a definition of a gentleman to say he is one who never inflicts pain‹. Frei über­setzt: Wer alles daran setzt, einem anderen Menschen den Schmerz der Beschämung zu ersparen, ist ein Gentleman. Sehr geehrter Herr Quast, Sie sind ein Gentleman.

Ich danke Ihnen – auch im Namen aller Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und ich denke, ich kann an dieser Stelle auch für die Studierenden sprechen – ich danke Ihnen sehr herz­lich für organisierte, anregende und schmerz­freie fünf­undzwanzig Jahre!

Und da ich weiß, dass es für einen Sieger­länder gefühls­technisch immer etwas heikel ist, vor anderen Lob und Dank in Empfang zu nehmen, möchte ich auch Ihnen ein mög­liches Gefühl der Beschämung ersparen und komme rasch wieder zurück zum ›Tauge­nichts‹.

Lieber Herr Quast, mag sein, Sie wünschen sich am Ende dieser Rede, sie hätten mir gegen­über Eichen­dorffs Novelle nie erwähnt. Ich wünsche Ihnen dennoch im Namen aller, dass es Ihnen allzeit so ergehen möge wie dem Helden, nachdem er von seiner langen Reise nach Wien zurück­gekehrt ist und end­lich seine Liebste im Arm hält. Ich zitiere: ›Sie lächelte still und sah mich recht vergnügt und freund­lich an, und von fern schallte immer­fort die Musik herüber, und Leucht­kugeln flogen vom Schloß durch die stille Nacht über die Gärten, und die Donau rauschte dazwischen herauf – und es war alles, alles gut!‹

Vielen Dank!«

Über den Projektkurs »Lord of the Rings«

Bericht von Ulrich Bauer – Mai 2015

»Projektkurse bieten den Studierenden am Sieger­land-Kolleg bereits seit mehreren Jahren die Möglich­keit, sich über einen Zeit­raum von zwei Semestern intensiv mit einem Thema zu beschäftigen. Dabei können die Lernenden individuelle Schwer­punkte setzen, eigen­verantwort­lich arbeiten und kooperativ ein vorzeig­bares Produkt entwickeln. Jeder Projekt­kurs ist an ein Unter­richts­fach angebunden und kann wie ein Grund­kurs für das Abitur bzw. Fach­abitur angerechnet werden. Die Besonder­heit dieser Kurse liegt in den zeit­lichen, methodischen und inhalt­lichen Frei­räumen, wodurch auch interessante Inhalte behandelt werden können, für die im herkömmlichen Unter­richt kein Platz ist.

Der Projektkurs ›The Lord of the Rings‹ lief zum ersten Mal vom Winter­semester 2013/2014 bis zum Sommer­semester 2014 und befasste sich mit dem gleich­namigen Fantasy-Roman von J. R. R. Tolkien. Anknüpfend an das Unter­richts­fach Englisch wurde das Buch natür­lich zunächst in der Original­sprache gelesen, was angesichts des Umfangs durchaus eine Heraus­forderung darstellt. Dazu wurden den Studierenden speziell in der ersten Phase des Kurses passende Techniken und Strategien an die Hand gegeben. In der zweiten Phase arbeiteten die insgesamt zwölf Teil­nehmer­innen und Teil­nehmer in Klein­gruppen an ihren selbst­gewählten Spezial­themen, woraus die folgenden Projekt­arbeiten entstanden:

  • ›The Lord of the Forest‹ – ein Kurz­film via Mine­craft

    Bei diesem Projekt ging es darum, eine Szene aus dem Roman innerhalb des Computer­spiels Mine­craft darzustellen und in Form eines Kurz­films aufzuarbeiten. Ausgewählt wurde dafür eine Szene, die in Peter Jacksons Verfilmung ausgelassen worden war, nämlich die Episode rund um Tom Bombadil, den Alten Wald und Old Man Willow – beginnend mit dem Aufbruch aus Krick­hollow und endend mit dem (ersten) Abschied von Bombadil (vgl. erstes Buch, Kapitel sechs bis sieben). Um das Projekt zu realisieren, mussten als Erstes die Handlungs­schau­plätze in der Spiel­welt erschaffen und bearbeitet werden. Auf der Basis der Original­kapitel erstellten die Studierenden ein Dreh­buch und filmten dann in Kooperation mit weiteren Spielern die einzelnen Szenen, wobei einer der Spieler die Position einer virtuellen Kamera übernahm. Anschließend schnitten die Studierenden das gedrehte Material zusammen und unter­legten den Film mit Dialogen, Musik und Hinter­grund­geräuschen.

  • ›Gollum’s Tale‹ – ein Kurzroman

    Gegen­stand dieses Projekts war, Elemente von Gollums Geschichte in Form eines Kurz­romans auszugestalten. Es handelte sich hier also um eine Aufgabe, bei der das kreative Schreiben – in englischer Sprache – im Vorder­grund stand. Die Studierenden verwendeten dabei eine Viel­zahl an kleinen Episoden für ihre Geschichte (Ringfund, Flucht, Kampf­szene, Finden einer neuen Heimat). Der Haupt­handlungs­strang war natürlich Smeagols Wand­lung durch den Ring, verbunden mit seiner zweiten Persön­lich­keit. (Auf der persön­lichen Web­site von Ulrich Bauer, dem Verfasser dieses Berichts, ist übrigens der komplette Kurz­roman zu finden.)

  • ›The Way of the Ring‹ – die Geschichte des Einen Rings

    In dieser Projekt­arbeit erstellten die Teil­nehmer einen Film, in dem der Weg des Einen Rings – von seiner Erschaffung bis zu seiner Zerstörung – nach­gestellt wurde. Dazu wurden ausgewählte Film­ausschnitte zusammen­gefügt und mit passenden Erläuterungen sowie Musik hinter­legt. Ergänzend erstellten die Studierenden ein Hand­out, in dem sie den oben erwähnten Weg noch einmal in schrift­licher Form nach­vollzogen. Daneben enthält das Hand­out Informationen zu den einzelnen Besitzern des Rings sowie selbst gezeichnete Illustrationen.

  • Tolkiens Biographie und Mythologie

    Erster Schwer­punkt dieses Projekts bestand in der Aufarbeitung und Darstellung von Tolkiens Bio­graphie – seiner Kind­heit und Jugend, seines akademischen und privaten Lebens­wegs und seiner Tätig­keit als Schrift­steller. Der zweite Schwer­punkt war die Unter­suchung der mytho­logischen Hinter­gründe von Tolkiens Welt und Werk. Dazu gehörten zum einen Aspekte wie Tolkiens eigener Schöpfungs­mythos (vgl. das ›Silmarillion‹), zum anderen aber auch Parallelen zu anderen Mythologien (bspw. christliche und nordische) sowie Elemente verschiedener weiterer Quellen, die Tolkien inspirierten.

  • Tolkiens Sprachen und Schriften

    Im Mittel­punkt dieses Projekts stand die Unter­suchung der Sprachen und Schriften, die Tolkien in seinen Werken ver­wendete. Dazu stellten die Studierenden exemplarisch die Sprache Quenya vor – und zwar im Hinblick auf Entwicklung, Aussprache, Schrift­darstellung und Eigen­tümlich­keiten der Grammatik. Aufgelockert wurde die Präsentation unter anderem durch kurze Hör­beispiele. Weitere Aspekte des Projekts waren die Bedeutung der Sprache in Tolkiens Leben und andere Sprachen wie Entisch, Westron und Black Speech.

Im zweiten Durchlauf des Projekt­kurses vom Sommer­semester 2015 bis zum Winter­semester 2015/2016 hatten die Studierenden teils ähnliche, teils aber auch völlig neue Ideen für Projekte. Darunter befanden sich zum Beispiel eine Unter­suchung zur Adaption des Romans in der Musik oder die Realisierung eines Brett­spiels mit dem Titel ›Die Reise durch Mittel­erde‹.

Wie zu sehen ist, umfassen all’ diese Themen ein weites Spektrum – von inhalt­licher Vertiefung über analytische Ansätze bis hin zu kreativen Umsetzungen. Als Ergebnis kann fest­gehalten werden: Durch die Viel­falt der Zugänge wird in einem Projekt­kurs das Engagement der Studierenden und die Begeisterung für ungewöhnliche Unter­richts­gegen­stände in besonderem Maße gefördert.«

Roma aeterna – Studienfahrt nach Rom

Reisebericht von Christian Rahrbach – Mai 2013

»Seit Jahrhunderten zieht die Ewige Stadt Reisende unter­schied­licher Couleur an, so unter anderem Architekten, Bild­hauer, Maler, Literaten wie Goethe, Politiker, christ­liche Pilger, Archäologen, Geschichts­lieb­haber, nicht zuletzt auch Touristen, die gerne durch die Einkaufs­straßen flanieren, die Viel­zahl an Brunnen bestaunen oder Erholung in den schönen Parks suchen. Die Faszination der Stadt am Tiber erklärt, dass sie im Laufe der Jahre mehrfach auch Ziel von Studien­fahrten des Sieger­land-Kollegs war. So fand vor Kurzem noch, in der Zeit vom 18. bis zum 22. Februar 2013, eine Rom­reise mit zwanzig Studierenden sowie Herrn Quast und mir als Begleit­personen statt. Zur Erinnerung daran sei im Folgenden ein kurzer Rück­blick gegeben.

Unsere Fahrt begann gegen sieben Uhr an der Schule mit einem Bus­transfer zum Flug­hafen Düssel­dorf. Nach dem Ein­checken und der Gepäck­kontrolle konnten wir plan­mäßig am späten Vormittag abheben. Ein besonderer Moment war das Über­fliegen der Alpen: Da der Himmel zu dieser Zeit nicht bewölkt war, hatten wir einen sehr klaren Blick auf die Berg­land­schaft. Nach einem etwa zwei­stündigen Direkt­flug landeten wir auf dem Flug­hafen Fiumicino (etwa 30 Kilometer von Rom entfernt an der Küste). Es folgte die Fahrt nach Rom zu unserem in Haupt­bahnhofs­nähe gelegenen Hotel Tempio di Pallade. Nach der Zimmer­aufteilung und nach Erledigung weiterer Formalitäten konnten wir uns am späten Nach­mittag auf einen Spazier­gang zur Scala Santa und zur Kirche San Giovanni in Laterano begeben. Sie ist eine von vier Patriarchal­basiliken Roms und war – zusammen mit weiteren sie umgebenden Gebäuden – der erste und ursprüng­liche Sitz des Papstes.

Am Dienstag stand eine Besichtigung des Vatikans auf dem Programm. Nachdem wir es vor einem Streik der Verkehrs­betriebe gerade noch recht­zeitig geschafft hatten, mit der U-Bahn unser Ziel zu erreichen, suchten wir zunächst die Vatikanischen Museen auf und trafen uns dort mit einer Kunst­historikerin. Sie bot uns eine viel­seitige Führung durch einige der unzähligen Ausstellungs­räume; unter anderem erklärte sie uns Portrait­büsten, antike Statuen, Porphyr­sarkophage, Wand­teppiche und Bilder verschiedenster Art. Dabei sahen wir auch die Gemälde in den Stanzen des Raffael wie etwa die Schule von Athen, eine Darstellung der Philosophie. Die Führung endete in der Sixtinischen Kapelle – Glück gehabt: Wären wir zwei Wochen später nach Rom gefahren, hätten wir diese aufgrund der beginnenden Vorbereitungen des Konklaves zur Papst­wahl wohl nicht mehr besichtigen können. So aber hatten wir noch die Gelegen­heit, uns die im 16. Jahr­hundert von Michelangelo ausgemalte Decke und die von ihm gestaltete Altar­wand mit der Szene vom Jüngsten Gericht in Ruhe anzuschauen. Nach einer längeren Pause erkundeten wir am Nach­mittag den Peters­dom; einige von uns begaben sich auch auf die Kuppel der Basilika. Unser Besuch des Vatikans und seiner Umgebung endete mit einem Spazier­gang zur Engels­burg (Außen­besichtigung); ein Teil der Studierenden unter­nahm anschließend noch zusammen mit Herrn Quast einen Streif­zug durch das Stadt­viertel Trastevere.

Am Mittwoch­morgen begaben wir uns per Bus zur etwas außer­halb gelegenen Domitilla-Katakombe. Dort erhielten wir eine gut einstündige Führung. Man zeigte uns die engen Gänge zwischen den Grab­nischen, gab uns Informationen zur Bestattungs­praxis der frühen Christen und zeigte uns auch Beispiele früh­christ­licher Kunst wie etwa eine Abend­mahls­darstellung. Nachdem wir in die Innen­stadt zurück­gefahren und eine Mittags­pause eingelegt hatten, gingen wir dann zum Kolosseum, wo wir uns mit unserer Kunst­historikerin verabredet hatten. Sie zeigte uns das Innere dieses antiken Amphi­theaters mit den nur noch teil­weise erhaltenen Zuschauer­rängen und den Bereich unter der Arena, in dem sich die Bühnen­technik befunden hatte. Anschließend führte sie uns auf das Forum Romanum; dort begaben wir uns in die antike römische Kurie, sahen Triumph­bögen und erkundeten die Reste von Tempeln und antiken Basiliken (damals genutzt als Geschäfts- oder Gerichts­hallen). Der Tag endete mit einem Gang über das Kapitol zur Piazza Venezia, an der wir von außen noch einen Blick auf das weiße und imposante Vittoriano werfen konnten: Dieses Bau­werk ist zum Gedenken an Vittorio Emanuele II. errichtet worden, den ersten König des im 19. Jahr­hundert wieder­vereinten Italiens.

Im Mittelpunkt des folgenden Tages stand zunächst ein Streif­zug durch die Innen­stadt. Diesen begannen wir an der Piazza Navona, auf der sich Berninis Vier­ströme­brunnen befindet. In dessen Mitte steht ein Obelisk, um den herum vier Figuren gruppiert sind, die in personifi­zierter Form die Flüsse Nil, Donau, Rio de la Plata und Ganges darstellen. Von der Piazza Navona aus ging es später weiter zum Pantheon und zu den Kirchen Santa Maria sopra Minerva sowie Sant’ Ignazio. Eine Besonder­heit der letzteren ist die Schein­kuppel, die sich im Kreuzungs­bereich von Lang- und Quer­haus befindet. Unser Spazier­gang führte uns weiter zum Trevi­brunnen und zur Spanischen Treppe, beides nicht zuletzt durch Spiel­filme sehr bekannte Orte Roms. Auf der Spanischen Treppe erlebten wir eine Versammlung von Anhängern des Fußball­vereins Borussia Mönchen­gladbach, die sich dort vor einem am Abend im Olympia-Stadion stattfindenden Spiel trafen.

Nach einer Mittags­pause führte uns Herr Quast auf den Pincio-Hügel; auf diesem suchten wir einen Aussichts­platz auf, von dem aus man einen guten Blick hinab auf die Piazza del Populo und ihre Umgebung hat. Sodann spazierten wir weiter – entlang einiger Portrait­büsten berühmter Persön­lich­keiten – und gelangten in die Villa Borghese, einen großen Park, in dem wir unter anderem den kleinen Tempel des Asklepios und den an ihn grenzenden See sahen. Später erreichten wir die Galleria Borghese, ein sich ebenfalls auf diesem Gelände befindliches Museum. Unter anderem sahen wir dort Statuen, die sich auf zentrale Momente aus der antiken Sagen­welt beziehen: Eine stellte beispiels­weise den Helden Aeneas dar, der mit seinem gelähmten Vater Anchises auf dem Rücken und seinem Sohn Askanius an der Hand aus dem brennenden Troja flieht, eine weitere den verliebten Gott Apoll, der hinter der Nymphe Daphne herjagt, ihrer aber nicht habhaft werden kann, da sie sich in dem Augen­blick, in dem Apoll nach ihr greift, in einen Lorbeer­baum verwandelt. Am Abend kehrten wir zunächst zu unserem Hotel zurück und begaben uns später in ein Restaurant, in dem wir einen Raum reserviert hatten und gemeinsam unseren Abschied von Rom feiern konnten. Erst jetzt begann es zu regnen; während unserer Spazier­gänge und auch an den beiden Vortagen hatten wir glück­licher­weise die ganze Zeit von gutem Wetter profitieren können.

Am Freitag, unserem Abreisetag, unternahm eine Teil­gruppe von uns noch einen Spazier­gang zur Porta Maggiore und zur Kirche Santa Croce in Gerusalemme, zwei unweit unseres Hotels gelegenen Sehens­würdig­keiten. Am späten Vormittag begann dann der Bus­transfer zum Flug­hafen. Gegen 21 Uhr trafen wir schließ­lich wieder am Sieger­land-Kolleg ein. Mögen auch in Zukunft noch viele Fahrten unserer Schule in die Ewige Stadt führen …«

50 Jahre Siegerland-Kolleg

Presseinformation – Juli 2013

Als der Kultusminister des Landes Nord­rhein-West­falen im Jahre 1961 den Beschluss bekannt machte, in Siegen ein Staat­liches Institut zur Erlangung der Hoch­schul­reife für berufs­erfahrene Erwachsene zu gründen, dokumentierte das die Aufbruch­stimmung, die dieses Segment der Bildungs­land­schaft erfasst hatte. Das Sieger­land-Kolleg war zu dieser Zeit das achte Institut des Zweiten Bildungs­weges in NRW und ermöglichte nun auch jungen Menschen in diesem süd­lichen Teil des Bundes­landes die Teil­habe an weiter­führender Bildung mit Universitäts­zugang und sozialem Aufstieg.

Eine Schule für Erwachsene – das war damals für viele doch etwas sehr Neues, während heute der Gedanke des lebens­langen Lernens selbst­verständlich geworden ist. Indem diese Schule die Chance bot, Versäumtes – auch und besonders in Form von Schul­abschlüssen – nach­zuholen, öffnete sie die Bildungs­gänge insgesamt und machte Schule schon früh durch­lässiger. Sie sprach Menschen aus weniger privilegierten Schichten mit Potenzial für höhere Abschlüsse an und trug damit zur Beseitigung von Bildungs­benach­teiligungen bei. In jüngerer Zeit haben davon unter anderem auch Aussiedler­Innen und in zunehmender Zahl junge Menschen mit Migrations­geschichte profitieren können. Besonder­heiten sind auch im Unter­richts­geschehen selbst zu verzeichnen: In der Erwachsenen­bildung wird der Studierende als gleich­berechtigter Partner im Lern­prozess gesehen, der aufgrund seines Alters sowie seiner lebens- und berufs­praktischen Erfahrung bewusster, eigen­ständiger und selbst­tätiger im Lern­prozess agiert als Kinder und Jugend­liche. Das respekt­volle, partner­schaft­liche Miteinander schafft ein motivierendes, idealer­weise inspirierendes Lern­klima, das Leistungen verbessern hilft. Oberstes Ziel des Bildungs­ganges ist die Aneignung von Wissen wie der Erwerb von Lern­strategien für den Umgang mit neuen Heraus­forderungen des gesell­schaft­lichen und wirt­schaft­lichen Wandels und der eigenen Lebens­bewältigung.

Insgesamt ist damit das Siegerland durch eine moderne, dem Zeit­geist entsprechende Schul­form reicher geworden. Die eltern­unabhängige BAföG-Förderung ist dabei ein zusätzlicher Anreiz, das Wagnis des erneuten Schul­besuchs einzugehen.

Die Entwicklung des Sieger­land-Kollegs seit Gründung ist Beleg für seine Akzeptanz und Bedeutung in und für die Region und darüber hinaus. Seine Anfänge liegen am Bismarck-Platz in Weidenau, wo im Gebäude der damaligen Gewerb­lichen Berufs­schule im Jahr 1963 unter Leitung von Herrn OStD a. D. Gerhard Autsch­bach der Unter­richt für zunächst 20 Stu­dierende begann.

Im April 1973 konnte dann end­lich das neue Kolleg­gebäude in der Hölderlin­­straße auf dem Haardter Berg bezogen wer­den, das im Laufe der Zeit immer wieder erweitert und modernisiert wurde, um alle BewerberInnen aufnehmen zu können, denn diese rekrutieren sich immer mehr auch aus dem erweiterten Umland, aus Rh­einland-Pfalz und Hessen. So entstand im Jahr 1990 ein drei Klassen umfassender Erweiterungs­bau inklusive Innen­hof, 2003 wurde das Kolleg­gebäude durch weitere Stock­werke mit fünf Räumen vergrößert und zuletzt wurde das sogenannte Selbst­lern­zentrum eingerichtet.

Seit 1991 wird das Sieger­land-Kolleg von Herrn OStD Alfons Quast geleitet, in dessen Amts­zeit zahl­reiche grund­legende Veränderungen des Bildungs­ganges fallen. Dieser wurde auf Beschluss des Bildungs­ministeriums NRW immer stärker auf den an Gymnasien gültigen ausgerichtet, so beispiels­weise im Jahr 2008 durch die Einführung des Zentral­abiturs. Nicht nur dadurch ergeben sich heute neue Heraus­forderungen, denn es gilt, das für die Erwachsenen­bildung Typische zu erhalten und auszubauen. Dazu gehört insbesondere die Verbesserung der Selbst­steuerung im Lern­prozess.

In der Rückschau zeigt sich, dass sich die Bilanz des Sieger­land-Kollegs sehr wohl sehen lassen kann: So haben seit 1963 4500 Studierende das Sieger­land-Kolleg besucht, fast 2400 haben das Abitur abgelegt, und seit 1990 haben zudem 540 Studierende das Kolleg mit der Fach­hoch­schul­reife verlassen. Damit hat bereits eine große Zahl junger Menschen das Jubiläums-Motto »Trau dich zu wachsen« für sich realisiert.

Aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums wird eine Fest­schrift erscheinen, deren Entstehung einem 23-köpfigen Autoren­team zu verdanken ist, das sich aus Studierenden wie Lehrenden zusammen­setzt. In diesem Buch werden Vergangen­heit und Gegen­wart des schulischen Lebens in Form von Aufsätzen, Bildern, Tabellen, Grafiken und Karten auf 264 Seiten, reich illustriert, lebendig.

Am Freitag, 12. Juli 2013, soll von 9:00 Uhr an das Jubiläum ausgiebig gefeiert werden, zunächst in einem offiziellen und dennoch unkonventio­nellen Rahmen, am Nach­mittag mit Raum für Begegnung und Gespräche zwischen ehemaligen und gegen­wärtigen Kolleg­angehörigen und am Abend mit Musik und Tanz. Nur das Wetter muss nun noch mitspielen!