Da wir uns am Siegerland-Kolleg dem zu Beginn formulierten Ziel sowohl in seinen ideellen als auch in seinen qualifikatorischen Komponenten verpflichtet fühlen, ist es unsere Aufgabe, den Zugang zu unserer Schule sowohl möglichst vielgestaltig zu eröffnen, als auch auf diejenigen Personen zu fokussieren, die befähigt werden können, Hochschulreife zu erwerben. Dies bedeutet, dass Bewerbern mit anderen als Fachoberschulreifequalifikationen real handhabbare Zugangswege geöffnet werden, die mehr als nur formal die Möglichkeit bieten, Hochschulreife an unserer Schule tatsächlich zu erwerben.
Als Instrumente dienen hier ein einsemestriger Vorkurs mit jeweils 4 Semesterwochenstunden in den Grundbildungsfächern Deutsch, Englisch und Mathematik sowie eine Einstufungsprüfung in diesen drei Fächern. Dabei wird der Vorkurs so terminiert, dass er berufsbegleitend besucht werden kann. Daneben stellt das Siegerland-Kolleg für Interessenten, die aufgrund atypischer Berufstätigkeitszeiten, besonderer familiärer Situationen oder anderer Gründe am Besuch des Vorkurses gehindert sind, Materialien bereit, mit deren Hilfe eine effektive Vorbereitung auf die Einstufungsprüfung geleistet werden kann.
Aufgrund der Heterogenität in den Lernvoraussetzungen unserer Bewerber hat die Einstiegsberatung an unserer Schule einen hohen Stellenwert. Dem trägt das Kolleg dadurch Rechnung, dass es obligatorische Beratungsgespräche für jeden Bewerber anbietet. Daneben empfiehlt die Schule jedem Interessenten die Beteiligung an einem selbst auswertbaren Test, der sich auf Basiskenntnisse in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik bezieht. Die Resultate des Tests können, auf Wunsch des Bewerbers, in das Beratungsgespräch einbezogen werden. Nach dem Beratungsgespräch wird, möglichst im Einvernehmen mit dem Bewerber, eine Empfehlung hinsichtlich der Notwendigkeit des Besuchs des Vorkurses ausgesprochen.
Bewerbern mit spezifischen fachbezogenen Defiziten soll, falls organisatorische Gründe nicht entgegenstehen, die Teilnahme an einzelnen Fächern des Vorkurses ermöglicht werden, um entsprechende Kenntnislücken zu schließen.
Der Vorkurs selbst hat neben der Zielsetzung, Vorkenntnisniveaus zu verbessern, zentral auch die Funktion, jedem Teilnehmer die Gelegenheit zu geben, in dieser berufsbegleitenden Organisationsform zu prüfen, ob er sich auf einen vollzeitschulischen Bildungsgang unter Aufgabe von Berufstätigkeit einlassen will und abzuschätzen, inwieweit er dem Anforderungsniveau in der Einführungsphase gewachsen ist.
Die Leistungsbewertung im Vorkurs bzw. in der Einstufungsprüfung ist auf dem Hintergrund der Verantwortung gegenüber den Teilnehmern so ausgelegt, dass sie möglichst verlässliche Prognosen darüber gestattet, ob eine erfolgreiche Teilnahme an der Einführungsphase des Bildungsganges zu erwarten ist.
Bei Bewerbern mit mindestens Fachoberschulreifequalifikation ist im Einstiegsberatungsgespräch auch zu klären, ob diesen Personen eine Verkürzung des Ausbildungsganges durch unmittelbaren Einstieg in das 2. oder 3. Semester empfohlen werden kann.
Für die in diesem Zusammenhang zu absolvierende Einstufungsprüfung (Höherstufungsprüfung) in den Grundbildungsfächern Deutsch, Englisch und Mathematik stellt das Siegerland-Kolleg vorbereitende Materialien bereit und informiert intensiv über die Inhalte der Einführungsphase in allen Fächern.
Eine Höherstufung von Bewerbern zur Nutzung von Individualisierungspotenzialen bei der Dauer des Ausbildungsganges ist maximal um 2 Semester möglich.
Die Einführungsphase
Auch wenn diese Phase sich hauptsächlich dadurch definiert, dass in ihr die Studierenden auf eine erfolgreiche Mitarbeit im Unterricht der Qualifikationsphase vorbereitet werden sollen, erschöpft sich die Zielsetzung der Einführungsphase am Siegerland-Kolleg nicht hierin.
Darüber hinaus gilt es noch, den Studierenden Möglichkeiten zu eröffnen, sich in Anlehnung an die eigenen Ausgangsvoraussetzungen spezifisch zu entwickeln und zu steigern, sie wieder in den Prozess des Miteinanderlernens in Gruppen zu integrieren, ihre methodischen Fertigkeiten durch lernorganisatorisch und lernstrategisch ausgerichtete Schulungsmaßnahmen auszubauen, ein solides Wissensfundament durch vertiefende Wiederholung von Stoffgebieten aus der Sekundarstufe I zu festigen und individuell geprägte Wahlentscheidungen bzgl. des Einstiegs in die Qualifikationsphase angemessen vorzubereiten.
Gemäß der allgemeinbildend ausgerichteten Zielsetzung der Schule wird in dieser Einführungsphase versucht, möglichst zu vermeiden, dass sich Einschränkungen von Entscheidungsspielräumen hinsichtlich der Qualifikationsphase oder nachschulischer Ausbildungs- und Tätigkeitsfelder ergeben. Dieser Anspruch konkurriert teilweise mit persönlichen Vorstellungen und Präferenzen von Studierenden. Er wird allerdings, außer in der Belegungsverpflichtung für die 2. Fremdsprache, durchgehalten.
Des Weiteren erscheint uns die Förderung der Studierenden im 1. Jahr des Ausbildungsganges in gruppenstabilen Arbeitskonstellationen am besten möglich zu sein.
Außerdem verzichten wir bewusst auf eine hohe Fächeranzahl in dieser Phase und arbeiten stattdessen mit einem höheren Stundenvolumen in einigen, repräsentativen Fächern der jeweiligen Aufgabenfelder.
Schließlich versuchen wir Individualisierungspotenziale in der Einführungsphase zu schaffen, die es ermöglichen, dass persönliche Vor- oder Nachteile im Stand der Lernentwicklung einen Niederschlag auf Dauer und/oder Spannbreite der Phase haben.
Vor diesem Hintergrund wird die Gestaltung der Einführungsphase durch einige Grundsatzentscheidungen modelliert.
- Beratung ist konstituierendes Element dieser Phase und begleitet die Studierenden im 1. Jahr kontinuierlich. Sie nimmt Erkenntnisse der Bewerberberatung wieder auf und unterstützt die Studierenden zu Beginn des Bildungsganges bei der Entscheidung bezüglich des zu wählenden Eingangsprofils (siehe Punkt 5). Sie unterstützt Laufbahnwahlentscheidungen durch Bereitstellung fach-, studien- und arbeitsmarktspezifischer Informationen. Sie hilft bei der Entschärfung von Konflikten, die sich im Spannungsfeld schulischer und außerschulischer Anforderungen ergeben.
- Unterricht findet – mit Ausnahme des Unterrichts in einer zweiten Fremdsprache – in der stabilen Lerngruppe des Klassenverbandes statt. Dies bewirkt, außer in der zweiten Fremdsprache, eine verbindliche Fächerbelegung ohne Wahlmöglichkeiten.
- Neben muttersprachlicher, fremdsprachlicher und mathematischer Grundbildung werden gesellschaftswissenschaftlicher und naturwissenschaftlicher Unterricht mit grundsätzlich gleichgewichtiger Bedeutung erteilt. Dies schlägt sich in übereinstimmendem Stundenvolumen der beiden Felder nieder. Zielsetzung des gesellschaftswissenschaftlichen Feldes ist es, dass die Studierenden Grundeinsichten gewinnen in die historisch gewachsene, sozial geprägte und naturräumlich strukturierte Bedingtheit menschlichen Seins und seiner Veränderlichkeit. Diese wird, mit fachübergreifenden Bezügen, realisiert im Fachunterricht der Fächer Geschichte, Soziologie und Erdkunde. Im naturwissenschaftlichen Feld sollen die Studierenden grundlegende, funktionale Beziehungen, Wirk- und Wechselwirkmechanismen in Bereichen der unbelebten und der belebten Realität konkretmateriell und in Ansätzen abstraktformalisiert kennen und beobachten lernen. Dies geschieht exemplarisch in den Fächern Physik und Biologie.
- Zur Steigerung der Effektivität von und der Kontinuität im Unterricht werden Fachangebote im Umfang von weniger als 3 Semesterwochenstunden grundsätzlich nicht gemacht. Dies zieht in Bezug auf das gesellschaftswissenschaftliche Aufgabenfeld die Konsequenz nach sich, dass Soziologie und Erdkunde jeweils nur einsemestrig mit 4 Semesterwochenstunden angeboten werden.
- Aufgrund von im Vergleich zu früher deutlich gewachsener Heterogenität in den Lernvoraussetzungen und aufgrund zunehmender Bedeutung der Fachhochschulreife als Kollegabschluss ist Adressatengerechtigkeit besser zu erzielen, wenn man die Einführungsphase in zwei Profilen gestaltet, von denen das eine durch einen Schwerpunkt im Bereich fremdsprachlicher Bildung (10 Semesterwochenstunden fremdsprachlichen Unterrichts) gekennzeichnet wird und das andere durch erhöhtes Unterrichtsvolumen im Bereich der Grundbildungsfächer (18 Semesterwochenstunden in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik). Durch diese Differenzierung können Benachteiligungen aufgrund spezifischer schulischer oder außerschulischer Sozialisationsbedingungen erfolgversprechend gemildert werden.
- Zu Beginn der Einführungsphase wird in einem lern- und informationstechnischen Grundbildungsblockseminar die Basis für effektives Fachlernen verbreitert. Speziell im informationstechnischen Teil soll vorhandenes Know-how der Studierenden durch Partnerarbeitsformen eingebunden werden. Die in diesem Seminarblock und im Fachunterricht der Einführungsphase erworbenen inhaltlichen und methodischen Kenntnisse münden im Verlauf des 2. Semesters in ein für jeden Studierenden verpflichtendes Fachreferat, das einzeln oder in Kleingruppen zu erstellen und zu präsentieren ist.
- Alle Fächer der Einführungsphase arbeiten in Abstimmung und gegenseitiger Ergänzung daran mit, die Studierenden in übergreifenden oder aufgabenfeldspezifischen, grundlegenden
- Methoden der Informationsbeschaffung,
- Methoden der Informationsauswahl,
- Methoden der Informationsstrukturierung,
- Methoden der Informationsverarbeitung und
- Methoden der eigenen Darbietung von Information
Durch diese grundlegende Ausrichtung der Einführungsphase am Siegerland-Kolleg ist aus unserer Sicht nicht nur eine optimierte Vorbereitung auf die Anforderungen der Qualifikationsphase gewährleistet, sondern auch garantiert, dass Studierende, die die Schule nach der Einführungsphase verlassen, einen deutlichen Bildungs- und Qualifikationszuwachs in die außerschulische Lebens- und Arbeitswelt mitnehmen. Die erzielten Qualifikationen dokumentiert die Schule in entsprechenden Zeugnissen unterhalb von Hochschulreife.
In Fällen, in denen eine erfolgreiche Mitarbeit am Unterricht der Qualifikationsphase ohne vollständiges Durchlaufen der Einführungsphase erwartet werden kann, berät das Siegerland-Kolleg die betreffenden Personen und ermöglicht Verkürzungen der Einführungsphase durch Höherstufungsprüfungen in den Grundbildungsfächern Deutsch, Englisch und Mathematik.
Die Qualifikationsphase
Das Siegerland-Kolleg unterscheidet sich in der letztendlichen Zielsetzung dieser Phase – nämlich der Qualifizierung seiner Studierenden für eine erfolgreiche Absolvierung von Studiengängen an Universitäten, Gesamthochschulen und Fachhochschulen – nicht von anderen allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufe II bzw. des Erwachsenenschulbereichs. Allerdings strebt unsere Schule durch spezifische Organisationsprinzipien und Arbeitsformen an, ein hohes Maß an Angebotsgerechtigkeit für Studierende auch in quantitativ kleinen Semesterstufen zu garantieren, eine angemessene Angebotsvielfalt für individuelle Schwerpunktsetzungen zu bieten, Zusammenarbeit und damit auch gegenseitige Befruchtung und Unterstützung sowohl auf Studierenden- wie auf Lehrerseite zu fördern und einzufordern, auf nach- und außerschulische Lern- und Arbeitsbedingung in ständig wechselnden Gruppenkonstellationen vorzubereiten und zweckrationales Wahl- und Entscheidungshandeln einzuüben.
In Orientierung an diesen Zielsetzungen ist der Charakter dieser Phase am Siegerland-Kolleg geprägt durch folgende Festlegungen:
- Das Fächerangebot wird grundsätzlich ohne Rücksicht auf die Semesterstärke zu Beginn der Qualifikationsphase stabil gehalten. Dies gewährleistet Verlässlichkeit in der Schullaufbahnplanung für die Studierenden des 1. und 2. Semesters.
- Jeder Studierende hat die Möglichkeit, aus jedem der drei Aufgabenfelder wenigstens ein Leistungskursfach wählen zu können. Dabei ist die Anzahl der Leistungskursfächer auf fünf beschränkt, und es ist langfristig festgesetzt, dass neben den drei Grundbildungsfächern Deutsch, Englisch und Mathematik als Naturwissenschaft Biologie und als Gesellschaftswissenschaft Geographie Leistungskursfach ist. Durch die Auswahl von Leistungskursfächern in Verbindung mit allen anderen Grundkursfächern eines bestimmten Aufgabenfeldes kann ein Studierender bei Bedarf einen ausgeprägt sprachlichen oder gesellschaftswissenschaftlichen oder mathematisch-naturwissenschaftlichen Schwerpunkt in seiner Schullaufbahn setzen. Allerdings kann er ebenso auf eine solche Schwerpunktsetzung verzichten bzw. sie in abgemilderter Form vornehmen.
- Alle angebotenen Leistungskurse – außer im Fach Biologie – sind modular aufgebaut. Das heißt, dass der jeweils fünfstündige Leistungskurs aus einem dreistündigen Basiskurs und einem zweistündigen Vertiefungskurs besteht. Im Basiskurs werden die betreffenden Studierenden gemeinsam mit den Grundkursteilnehmern ihrer eigenen Semesterstufe unterrichtet. Durch den Verzicht auf die Trennung von Grund- und Leistungskurs des jeweiligen Faches versprechen wir uns qualitätssteigernde Effekte insofern, als die Leistungskursteilnehmer erstens tendenziell auch in diesem gemeinsamen Unterricht Unterrichtstiefe und -tempo hoch halten wollen, zweitens aufgrund der größeren Heterogenität der Lerngruppe sehr viel stärker als im reinen Leistungskurs mit Verständnisproblemen konfrontiert werden und sich bei der Überwindung dieser engagieren, somit quasi eine didaktisch eingefärbte Auseinandersetzung mit den Inhalten vollziehen, und drittens dadurch ihre adressatengerechten Darstellungsfähigkeiten vielfältiger entwickeln. Daneben scheint die Gefahr der Ausprägung sogenannter »Grundkursmentalitäten« geringer und der Einsatz von Gruppen- oder Partnerarbeitsformen in leistungsdifferenten Gruppen effizienter. Im Vertiefungskurs werden die betreffenden Studierenden semesterstufenübergreifend in den Blockungen 3. und 4. Semester sowie 5. und 6. Semester unterrichtet. Dies führt dazu, dass die Gruppenzusammensetzung sich halbjährlich ändert. Jede Semesterstufe ist in jeweils zwei Halbjahren die »ältere« bzw. die »jüngere« in der entsprechenden Kursgruppe. Neben dem grundsätzlichen Aspekt, dass in dieser Organisationsform semesterübergreifende Kontakte auf Schulebene intensiviert werden, können hier Fähigkeit und Vermögen zur Zusammenarbeit in wechselnden Teamkonstellationen entwickelt werden, und es kann Verkrustungstendenzen im Leistungsverhalten bei langfristig stabiler Gruppenkonstellation entgegengewirkt werden. Ferner ist mit einer tendenziell größeren Kreativität im Umgang mit dem jeweiligen Vertiefungskursstoff zu rechnen, da die beteiligten Studierenden sich auf dem Hintergrund deutlich unterschiedlicher aktueller Grundkursinhalte mit diesem Stoff auseinandersetzen. Da die hier angesprochene Organisationsform der Leistungskurse i.d.R. bedeutet, dass zwei Lehrer die Gruppe parallel unterrichten, ergibt sich für die Studierenden die Möglichkeit, unmittelbar zu erkennen, inwieweit fachdidaktische und fachmethodische Entscheidungen persönlichkeitsbezogen getroffen werden, und diesbezügliche Anregungen an die beteiligten Kollegen weiterzugeben. Für die eingebundenen Lehrer wird systemimmanent entsprechend umfangreiche Absprache und Abstimmung in inhaltlichen, methodischen und Bewertungsfragen erforderlich. Ein Aspekt, der sowohl, was die Kooperation im Lehrerkollegium angeht, nur begrüßt werden kann, als auch in seiner Vorbildkomponente entsprechende Rückwirkungen auf das Teamverhalten der Studierenden zeitigt. Die Modularisierung der Leistungskurse in den Fächern Deutsch, Englisch, Erdkunde und Mathematik und die sich daraus ergebenden Vorteile und Chancen nicht auf das Leistungsfach Biologie zu übertragen, ist auf folgendem Hintergrund zu sehen: Aufgrund der extrem gewachsenen Prägung heutiger Lebensumstände durch naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Anwendungen wird Biologie in der Qualifikationsphase des Siegerland-Kollegs im Sinne eines Schwerpunktfaches nur als Leistungskursfach und nicht als Grundkursfach angeboten. Hierdurch soll gewährleistet werden, dass Studierende deutlich vertiefte Einblicke in naturwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen exemplarisch im Fach Biologie gewinnen können. Daneben ist die im Fachlehrplan Biologie geforderte, semesterweise Auseinandersetzung mit einem zentralen Schwerpunktthema in der modularen Ausgestaltung mit semesterübergreifenden Vertiefungskursen speziell in den ersten beiden Semestern dieser Phase kaum zu leisten, da der Grundkurs die erforderlichen Basiskenntnisse noch nicht hätte vermitteln können. Schließlich hat das Wahlverhalten vor der Neugestaltung der Qualifikationsphase gezeigt, dass bei Anwahl des Faches Biologie nur in seltenen Fällen der Grundkurs gewählt wurde.
- Die Unterrichtsarbeit der Studierenden lässt sich bei Einhaltung angemessener Wahlmöglichkeiten und bei Garantie bestehender Fächerangebote ohne unangemessenen Verbrauch von Lehrerstunden nur organisieren in einem Mischsystem aus teilnehmerstabilen Kernarbeitsgruppen, semesterstufenbezogenen Fachwahlgruppen und semesterstufenübergreifenden Themenwahlgruppen. Dabei beziehen sich die Kernarbeitsgruppen auf die Grund- und Basiskurse in den Grundbildungsfächern Deutsch, Englisch und Mathematik. Die semesterbezogenen Fachwahlgruppen beziehen sich auf die Leistungskurse in Biologie sowie auf die Grundkurse in quantitativ stärker angewählten Fächern. Die semesterübergreifenden Themenwahlgruppen schließlich finden Anwendung in den oben genannten Vertiefungskursen und in nicht so stark angewählten Grundkursfächern vornehmlich der Semester 5 und 6. Durch die in dieser Organisationsform realisierten, dosiert wechselnden Gruppenzusammensetzungen versprechen wir uns positive Effekte im Hinblick auf die Vorbereitung auf universitäre Lern- und Arbeitsformen im Besonderen sowie auf die Entwicklung von Teamfähigkeit im Allgemeinen. Des Weiteren wird, da speziell die Themenwahlgruppen durchaus auch mit verschiedenen Lehrern während der Qualifikationsphase verknüpft sein können, systemimmanent ein höheres Maß an Kooperation und Absprache zwischen den Fachkollegen realisiert.
- Die Realisierung von Schwerpunktsetzungen in der Schullaufbahn einerseits sowie die Reduzierung des zu verteilenden, wöchentlichen Unterrichtsvolumens andererseits lassen sich nur umsetzen, wenn durch Ausschlüsse bestimmter Fächerkombinationen die Teilparallelisierung von Unterricht ermöglicht wird. Wir haben uns dafür entschieden, grundsätzlich höchstens 36 Unterrichtsstunden in jeder Schulwoche zu verteilen. Hierdurch wird gewährleistet, dass den Studierenden ausreichend Zeit für die Durchführung notwendiger Vor- und Nachbereitung von Unterricht verbleibt und die Vereinbarkeit von schulischen und außerschulischen Anforderungen praktisch realisiert werden kann. Des Weiteren wird durch diese Ausschlüsse auch die Entscheidungskompetenz der Studierenden insofern entwickelt, als sie bei der Planung ihrer Schullaufbahn unter Bezug auf eigene Stärken und Schwächen sowie auf beruflich oder persönlich motivierte Präferenzen Abwägungen treffen und Wahlhandlungen vornehmen müssen. Ferner spiegelt sich in diesen Entscheidungssituationen auch das Moment, dass die Realisierung einer Option in der Regel ihren Preis hat, hier den Verzicht auf eine andere Option. Die Setzung der Ausschlüsse orientiert sich an den Kriterien:
- die Spannbreite der persönlichen Bildungslaufbahn nicht grundsätzlich, sondern allenfalls einzelfachspezifisch einzuschränken und
- erfahrungsgemäß in geringer Anzahl gewählte Kombinationen vorrangig zu berücksichtigen.
- Die Ausgestaltung der Qualifikationsphase im 3. und 4. Semester ist bezogen auf die Wahlmöglichkeiten und die Belegungsverpflichtung grundsätzlich für alle Studierenden gleich, unabhängig davon, ob sie Fachhochschulreife oder Allgemeine Hochschulreife anstreben. Hierdurch wird garantiert, dass frühzeitig getroffene Abschlussentscheidungen längstmöglich revidierbar bleiben.
- Speziell die Möglichkeiten der Vertiefungskursmodule des 5. und 6. Semesters werden genutzt, um den Studierenden frühzeitig zu ermöglichen, die Besonderheiten des Abiturprüfungsverfahrens kennenzulernen und damit die Prüfungssituationen vorzuentlasten.
